• »Meine Mutter raucht gern eine zum Kaffee« 

    Das Kapitel (S. 118ff.) eignet sich, um Stanišićs literarisches Verfahren zu beschreiben. Die gut vier Seiten sind der Mutter gewidmet: Zuerst wird ihre Biografie bis zur Flucht erzählt, dann setzt sich der Erzähler Stanišić in ein Verhältnis zu ihr: Mutter leidet an der Vergangenheit unromantisch. […] Das , was ihr fehlt, ergänzt sie heute nicht mit Erfindungen wie ich. Was fort ist, ist fort. Herkunft, S. 120 Die Mutter wird anhand von zwei Lieblingsfotos beschrieben. Stanišić hält fest, die Mutter sei erst für ihn, dann für andere, dann für sich dagewesen (S. 121) – im Titel hebt er aber den Moment hervor, in dem sie für sich ist, zu sich…

  • Die Bedeutung der Drachen

    Auf dem Cover sehen Sie einen Drachen. Er kommt an mehreren Stellen im Text vor, aber nicht an sehr vielen. Hier eine Übersicht: »Drachen besuchten mich früh« – der Brief an die Ausländerbehörde (8) »Ein Reiter zielt mit seinem Speer auf einen Drachen« – der Schmuck im Haus von Marjia (49) (vgl. als Illustration das Bild hier) »’Die Geschichte, wie alles begann.’« – Gavrilo erzählt von der Gründung Oskorušas (52) [vgl. auch »Drachen-Brüder Stanišic«, 53] »krasse Drachen« – Rollenspiel (157) Drachen-Tattoo (271) »Der Drache schnappt nach der Pferdeflanke« (281), Haus des Großonkels Sretoje. Viele weitere Stellen im Teil »Drachenhort«. Was bedeutet das Motiv im Text? (vgl. dazu dieses Arbeitsblatt) * * * Wir haben in der…

  • »keine Sprache zu haben«

    Nach der Schilderung der Tankstelle beschreibt der Erzähler, unter welchen Umständen er Deutsch gelernt hat, wie sich der Lernprozess angefühlt hat. Relativpronomen. Ein Land, dessen Sprache man versteht, ist nicht zwingend mehr dein Land, es ist aber weniger relativ. Herkunft, 135 Ich weiß noch, wie es sich anfühlt, für etwas keine Sprache zu haben. Herkunft, 138 Der Autor Stanišić hat schon auf 2006 auf seinem Blog darüber nachgedacht, wie er zur Verwendung der deutschen Sprache übergegangen ist: Und heute bin ich einen Tag des Lebens mehr in Deutschland, als in Bosnien. Was hat das zu sagen? Was auch immer, anscheinend sage ich es auf Deutsch. Der Blog ist nicht mehr…

  • Die Rhizom-Struktur

    Also steigen wir einfach irgendwo ein, kein Eingang ist besser als ein anderer, keiner hat Vorrang, jeder ist uns recht, auch wenn er eine Sackgasse, ein enger Schlauch, ein Flaschenhals ist. Wir müssen nur darauf achten, wohin er uns führt, über welche Verzweigungen und durch welche Gänge wir von einem Punkt zum nächsten gelangen. Deleuze/Guattari: Kafka. Für eine kleine Literatur, 1976. Ein Rhizom ist in der Botanik ein Wurzelgeflecht. Der Begriff wird nach Deleuze und Guattari aber auch philosophisch verwendet: Er beschreibt eine Struktur, die nicht hierarchisch geordnet ist. Ein Rhizom wäre also ein Gegenbegriff zu einer Baumstruktur, die klare Abhängigkeiten eines kleineren Astes von einem größeren anzeigt. Die einfachen…

  • Als wir Kinder waren, genügte die Gegenwart ja auch.

    Genügt Ihnen die Gegenwart? Wann genügt sie uns, und was heißt das überhaupt? Was meint Stanišić im Kapitel Fragmente (66-72, das Zitat 72) damit? (Wenn Sie nicht wissen, wie das »Häkchen im Namen« (61) geschrieben wird, kopieren Sie den Namen doch von hier oder von Wikipedia, so habe ich es auch gemacht…)