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Als wir Kinder waren, genügte die Gegenwart ja auch.

Genügt Ihnen die Gegenwart? Wann genügt sie uns, und was heißt das überhaupt?
Was meint Stanišić im Kapitel Fragmente (66-72, das Zitat 72) damit?
(Wenn Sie nicht wissen, wie das »Häkchen im Namen« (61) geschrieben wird, kopieren Sie den Namen doch von hier oder von Wikipedia, so habe ich es auch gemacht…)

Ich denke gerne nach.

10 Kommentare

  • Lea

    Das Zitat beruht auf der Basis von Kindheitserfahrungen, welche der Protagonist auf spärliche Weise mit seiner Familie zu teilen scheint, da sich seine Familie in aller Welt verteilt habe und Erinnerungen nur Fragmente bilden. Fragmente, die aber um so lebhafter wieder geben, unter welchen Bedingungen Menschen im Kindesalter in Ihre eigene Genugtum entwickeln, beim Autor war dies anscheinend insbesonders der Hang zur Phantasie, zum Wrestling, zur Magie und zur Zauberei. Die Frage nach Genugtum kann in diesem wie in jedem Fall, jeder nur für sich selbst beantworten, der Autor versteht es dabei wie kein Zweiter, Energien, Erlebnisse und Gefühle aus den Augen eines Kind zu erzählen.

  • chiara

    Die Zukunft ist etwas Vielversprechendes. Dies projizieren wir auch auf unsere Glücklichkeit. Erinnerungen an die Vergangenheit und Hoffnungen an die Zukunft, machen uns glücklich und helfen uns voranzugehen, schon fast wie ein Motor. Dies kann aber dazu führen, dass wir nur leben, um bestimmte Ereignisse zu erreichen, oder wir uns von alten Erinnerungen einfach nicht trennen können und uns wünschten, man könnte die Zeit zurückdrehen. Als Kind ist das viel leichter, es genügt einem schon draussen mit Freunden zu spielen. Was später passiert oder schon passiert ist, kümmerte uns wenig. Wieso sollte man an Morgen denken, wenn man es einfach jetzt machen könnte?
    Ich kann gut nachvollziehen wieso Stanišić und seine Familie nicht mehr über Visegrad sprechen.Ich stelle mir das schmerzhaft vor, doch andererseits sollte man nicht seine Zeit verschwenden, an etwas zu denken, dass unveränderlich ist.

    • Hira

      Als Kinder denkt man weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft nach. Was eine Rolle spielte war das jetzt. Ich find als Kind sollte man sich nichts weiter oder komplizierteres überlegen, sondern den jetzigen Moment geniessen. Das macht das Kind-Sein erst zum Kind-Sein. Ich habe früher als Kind auch nicht über die Vergangenheit oder Zukunft gedacht, wie ich es heute tun würde. Höchstens was ich als nächstes essen wollte oder wie lange ich noch schummeln kann mit der Ausgangszeit.
      Deswegen haben auch ältere Menschen, die tiefer und ernster über die vergangene oder noch kommende Zeit überlegen, manchmal Angst davor. Als Erwachsene Person kann man über die Geschehnisse Schlüsse ziehen oder macht sich Druck mit planen der Zukunft. Der Punkt ist jedenfalls, man sollte sich ein bisschen weniger über die anderen Zeiten Gedanken machen und mehr das Hier und Jetzt geniessen.

      • Anna Kunz

        Ich widerspreche dir. In meiner Kindheit war es eher umgekehrt. Als Kind dachte ich oft über die Zukunft nach. Natürlich hatte ich viel weniger Zweifel und Angst davor, sondern war eher von der Zukunft fasziniert. Ich werde ein Mal einen Prinzen heiraten und zehn Kinder haben. Nicht so realistisch aber schon ziemlich durch geplant. Was auf einen Unterschied hindeutet. Ich
        als Kind habe anders über die Zukunft nach gedacht aber trotzdem gleich oft.

        • anna de stefano

          Kinder leben in ihrer eigenen Welt voller Fantasien und magischen Momenten. Sie kümmern sich nicht was gestern war oder was morgen geschehen wird. Sie leben im hier und jetzt. Ich als Kind war da etwas anders. Ich habe über vieles nachgedacht, sei es die Welt, die Tiere oder anderes in der Zukunft gewesen.
          Erwachsene Leute denken viel mehr über das Leben und die Zukunft nach als Kinder, da wir je älter wir werden mehr Wissen haben uns über etwas Gedanken zu machen. Wenige Kinder (und ich spreche von Kindern im Alter von 5-12) machen sich explizite Gedanken über den Klimawandel oder die Waldbrände in Australien. Sie freuen sich nur auf denn kommenden Tag und die Abenteuer die sie erleben werden.

  • Anastasia

    Stanišić erzählt in diesem Kapitel Geschichten über seine Kindheit und Familie. Diese Geschichten sind einzelne Fragmente und auch seine Familie ist in kleinen Bruchstücken geteilt, da sie überall auf der Welt verteilt ist. Wenn er heute seine Cousinen besucht, spricht er nicht über Višegrad, die Vergangenheit sondern über die Gegenwart. Was er sagen will, ist, dass sich ein Kind nicht viele Probleme macht, sondern einfach das Leben geniesst und das ist, was wir auch machen sollten. Warum über etwas sprechen, was schon geschehen ist, wenn man sich doch auf die Gegenwart konzentrieren kann? Ich denke, dass den Menschen die Gegenwart nicht immer genügt, denn über die Vergangenheit zu sprechen, ist ein Zeichen, dass man damit nicht abgeschlossen hat. Erst wenn man die alten Problemen gelöst hat, fokussiert man sich auf die Gegenwart. Da Kinder keine Probleme haben, ist es einfacher, wenn man ein Kind ist.

  • Drache

    Ich denke, dass die Gegenwart selten genug ist. Als kleines Kind dachten viele ja schon an die Zukunft die einen erwarten würde, was man einmal werden würde oder welche Geschenke wir zum Geburtstag bekommen würden. So wie ich es von meinen Eltern und verwandten mitbekommen habe denken sie mehr über die Vergangenheit nach, je älter sie werden, über all die Dinge, die sie getan oder nicht getan haben, die Menschen die sie verloren haben und die Erinnerungen die sie nicht loslassen können. Ich persönlich denke oft gar nicht an die Gegenwart sondern mehr an die Zukunft. Ich denke daran, was ich zu Mittag essen werde oder schon an die nächsten Ferien. Obwohl die Gegenwart oft nicht genug ist kann sie doch auch das Beste der Welt sein. Wenn man zum Beispiel mit jemandem in einer Beziehung ist und diese Person aufrichtig liebt, will man gar nicht an die Zukunft denken denn das werden eventuell Zeiten sein, in denen man sein Leben ohne diese spezielle Person führen muss. Für die Meisten verheisst das dann Schmerz und Verlust, beides Emotionen die wir so gut wie möglich vermeiden wollen. Ich denke, dass „Genugsein“ sehr stark mit positiven Gefühlen, wie Freude oder Sorglosigkeit verbunden ist aber etwas schnell wieder nicht mehr genug sein kann, wenn man diese Gefühle oder Erfahrungen zu stark ausschöpft. Wenn man so ein Gefühl „übernutzt“ und sein Hobby oder etwas, was einem Spass bereitet zu oft tut will man meiner Erfahrung nach dann immer mehr, bis man etwas neues gefunden hat, das einem wieder Spass bereitet und es für den Moment genug ist.
    J.D.

  • Tamara

    Weder besondere Vorstellungen der Zukunft, noch, Gedanken über die Vergangenheit zu haben. Sich Bewusst sein, dass das Einzige, das man hat, ist das Jetzige.
    So würde ich das ‘Genügen in der Gegenwart‘ beschreiben.

    Und ich denke, sie genügt einem umso mehr, wenn die Zukunft unsicher scheint.
    Was der Fall bei Saša als neuangekommenes Flüchtling ist.

    Ich nehme an sein tägliches Ziel damals, war einfach, sich langsam ein neues Leben aufzubauen. Wahrscheinlich hatte er viele Zweifel über seine Zukunft. Aber manchmal muss man einfach den Tag durchmachen und der Rest sind Sorgen für Morgen.

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